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1. Die Geschichte der Propsteikirche St. Remigius auf dem Remigiusberg
Die Remigiuskirche ist der bescheidene Überrest einer
einst recht imposanten Klosteranlage der ehemaligen
Benediktiner-Probstei St. Remigii Remigiusberg.
Die Klostergründung ist zurückzuführen auf die Tatsache, dass in der Zeit zwischen 575 und 595 der fränkische König Childebert II., ein Urenkel des Frankenkönigs Chlodwig, ein etwa 220km2 großes Gebiet, das man später "Remigiusland" nannte, dem Bistum Reims schenkte.
Da die Verwaltung und Nutzung dieses Fernbesitzes im deutschen Ausland den Reimser Erzbischöfen auf Dauer immer größere Probleme bereitete, schenkte schließlich Erzbischof Artold um die Mitte des 10. Jahrhunderts das Remigiusland weiter an die in seinem Bistum gelegene Benediktiner-Abtei St. Remigii bei Reims.
Dies führte schließlich zur Klostergründung auf dem Remigiusberg. Der genaue Zeitpunkt der Erbauung dieser Klosteranlage lässt sich nicht datieren, eine Urkunde vom 8.10.1127 des Mainzer Erzbischofs Adelbert ist der älteste Existenznachweis. Jedoch ist es gar nicht so abwegig, als Zeitpunkt der Erbauung das Jahr 1019 anzunehmen.
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Die Ära der Propstei Remigiusberg dauerte bis 1550, rund 30 Pröpste sind urkundlich nachweisbar. Nach der Reformationen betrieben die Schutzvögte des Remigiuslandes, die Grafen von Veldenz die inzwischen den lutherischen Glauben übernommen hatten, die endgültige Auflösung des Klosters. Die Propsteigeschichte des Klosters Remigiusberg endete definitiv im Jahr 1550. Die Grafen von Veldenz kauften der Abtei Reims das Remigiusland samt allen Rechten für 8500 Gulden ab und kamen dadurch auch in den Besitz der Kirche mitsamt der Klosteranlagen.
Da die Grafen von Pfalz - Veldenz auf der benachbarten Michelsburgresidierten, wussten sie die Klosteranlagen gut zu nutzen. Die Kirche wurde ihre Hofkirche und sie ließen eine Gruft als Grablege für ihr Geschlecht anlegen.
[ 6.Die profane Nutzung der Propstei ]
Nach dem Aussterben der Pfalz-Veldenzer- Linie im Jahr 1694 ging deren Grafschaft schließlich in den Besitz der Kurpfalz über. Zwar wurden die endgültigen Besitzverhältnisse erst im Jahr 1733 durch den Mannheimer Successionsvertrag definitiv besiegelt , doch die Propsteikirche auf dem Remigiusberg wurde bereits im Jahr 1724 wieder den Katholiken zugesprochen, da der katholische Kurfürst Karl Philipp (1716 - 1742) in seinem Herrschaftsgebiet die katholische Lehre zur Staatsreligion erklärt hatte.
Die Kirche selbst wurde zunächst nur sporadisch für Gottesdienste genutzt. Erst am 16. Mai 1744 erwachte nach rund zweihundert Jahren erstmals wieder ein richtig geistlich-religiöses Leben in der ehemaligen Propstei, nachdem man einen Pfarrer gefunden hatte, der sich mit dieser dürftigen Pfarr-Pfründe zufrieden gab.
Dass die imposanteste Hinterlassenschaft der Benediktiner, die damals noch recht beeindruckende alte Propsteikirche, ein sehr kostspieliges Erbe war, das permanent irgendwo einen dringenden Sanierungsbedarf anmeldete, steht außer Zweifel. Die Niederschriften der Kirchenverwalter, von der Pfarreigründung angefangen bis in unsere Gegenwart hinein, liefern uns genügend Beweise dafür, dass dieses historische Kleinod seine Erben recht teuer zu stehen kam.
So dürfen wir uns heute auch nicht darüber entrüsten, dass sich die Kirchenverwaltung beispielsweise in den Jahren 1773 und 1774 in ihrer Not sogar gezwungen sah, recht pietätlos die letzte Ruhe der Fürsten in der Gruft zu stören, zwei Fürstenkinder ihrer schweren Zinnsärge zu berauben und die Särge zu verkaufen, um von dem Erlös das von einem Unwetter beschädigte Kirchendach reparieren zu können.
[ 7. Die kirchliche Nutzung ]
Was die Kirchenverwaltung an Bausubstanz noch über die Zeit retten konnte, sollte durch die Französische Revolution, die im Oktober 1794 auch das Gebiet unserer Pfarrei überrollte, weiter dezimiert werden.
Die unmittelbare Nähe der Michelsburg, die Gebeine der Verstorbenen aus dem Geschlecht der Pfalz-Veldenzer Grafen in der Kirchengruft und die kurfürstlichen Ländereien auf dem Remigiusberg wurden unserer Propstei zum Verhängnis.
Ganz besonders schlimme Folgen hatte dies für unsere Propsteikirche. Nur weil sie damals im Volksmund "Hofkapelle" genannt wurde, weil sie ein Jahrhundert zuvor noch faktisch fürstliches Eigentum war und in ihrer Gruft die sterblichen Überreste der Grafen von Veldenz beherbergte, wurde die Remigiuskirche ein Opfer der französischen Revolutionstruppen.
[ 8.Die zerstörerischen Auswirkungen der Französischen Revolution ]
Man begann, die beiden Seitenschiffe und das Querhaus abzureißen. Auch das Mittelschiff wurde in Mitleidenschaft gezogen und teilweise niedergerissen.
Die gesamten Liegenschaften wurden in einzelne Parzellen unterteilt und an Privatleute veräußert. Selbst das Pfarrhaus wurde versteigert, nachdem der damalige Pfarrer von seinem Amtssitz vertrieben worden war. Lediglich die verstümmelte Kirche blieb im Besitz der katholischen Kultgemeinde. Da von der Kirche allerdings nur noch das an beiden Längsseiten offene Langhaus als Ruine übriggeblieben war, konnte man es nicht mehr zu gottesdienstlichen Zwecken gebrauchen.
Die Pfarrei wurde im Oktober 1798 aufgelöst und mit der Pfarrei Kusel verschmolzen.
Das Leben der Pfarrei blieb rund viereinhalb Jahre blockiert, bis ein Ex-Kapuziner-Mönch aus dem aufgelösten Kloster Meisenheim im Jahr 1803 das im Privatbesitz befindliche Pfarrhaus in der Klosteranlage mietete und so der Pfarrei als kostenloser Seelsorger zur Verfügung stand.
Nach dem Tod des Ex-Kapuziners im Jahr 1811 stand die Pfarrei erneut wieder ohne Pfarrer da; sie wurde von Kusel aus wieder mitverwaltet.
Rettung für die inzwischen baufällige Kirche keimte erst im Jahr 1834 auf, nachdem sich der bayerische Innenminister persönlich vor Ort von der Erhaltungswürdigkeit der Remigiuskirche überzeugt hatte. Sein kunstsinniger oberster Regierungschef, König Ludwig I. von Bayern, ließ sich durch seinen Minister Fürst Wallerstein vom kulturellen Wert der Propsteikirche in der fernen pfälzischen Provinz überzeugen, und gewährte spontan die stattliche Summe von 2200 Gulden für die Rettung der Remigiuskirche.
Dadurch konnte die Bausubstanz so weit gesichert werden, dass ab 1835 wieder regelmäßige Sonntagsgottesdienste in der Kirche stattfinden konnten. Im Jahr 1837 ließ der König noch weitere 800 Gulden zur Kirchenrestaurierung folgen, und nun war zumindest die Kirche endgültig vor dem Verfall gesichert.
Schließlich bewilligte die königliche Regierung im Jahre 1842 weitere 1000 Gulden für den Neubau des desolaten Pfarrhauses. Nachdem sich so die Situation der Pfarrei wieder gebessert hatte, fand man auch wieder Pfarrer, die gewillt waren, die arme Pfarrei zu führen.
[ 9. Königliche Überlebenshilfe ]
Durch eine umfassende Restaurierung in der Zeit von 1883 - 90 erhielt die Kirche eine etwas veränderte Optik die bis 1966 unverändert blieb. Die äußere Ansicht veränderte sich dabei, abgesehen von dem Einbau weiterer Fenster, nicht. Der Schwerpunkt der damaligen Restauration konzentrierte sich auf das Innere der Kirche, die dem damaligen Zeitgeist entsprechend, neugotisch umgestaltet wurde.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche bei der Restauration in den Jahren 1966-68. Primäres Anliegen bei dieser Restauration war die Sicherung und Erhaltung der gefährdeten Bausubstanz der Propsteikirche Gleichzeitig war man bestrebt, der Kirche möglichst viel von ihrer ursprünglichen Optik zurückzugeben, soweit es die Umbauten und Verstümmelungen früherer Jahrhunderte noch zuließen.
Eine Rekonstruktion des Baudenkmals in seiner ursprünglichen Gestalt mit Querschiff und Seitenschiffen schied jedoch aus finanziellen Gründen aus.
Wenn es schon nicht möglich war, der Kirche ihre komplette ursprüngliche Gestalt wiederzugeben, so wollte die Renovierung wenigstens die originalen Konstruktions- und Stilelemente sichtbar machen, wodurch sich Form und Ausmaße des ursprünglichen Baukörpers doch zumindest erahnen lassen.
Um der ursprünglichen Gestalt näher zukommen, musste besonders der Innenraum der Kirche vom Ballast jener Renovierungen aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts befreit werden.
Die gut gelungene Restaurierung vermag, den historischen Stellenwert unserer Kirche zu unterstreichen. Schließlich ist sie laut Denkmalbehörde " in der Nordwestpfalz der bei weitem bedeutendste romanische Kirchenbau, ja zwischen Zweibrücken und Kaiserslautern der bedeutendste Kirchenbau überhaupt. Als einzigem Vertreter des Typus der romanischen flachgedeckten Basilika kommt ihr große Bedeutung zu, obwohl wesentliche Teile, vor allem die Querschiffe und Seitenschiffe abhanden gekommen sind."
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