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4. Der Niedergang der Propsteiära
Für die armen Klosterleute wurde die Luft zum Atmen noch dünner, nachdem Pfalzgraf Ludwig II seinem älteren Bruder Ruprecht die rund 100 Meter östlich von der Propstei gelegene Michelsburg als lebenslänglichen Besitz übereignete.
Der neue Burgherr gehörte dem geistlichen Stand an; er war ursprünglich Domherr in Mainz und später in Straßburg gewesen, fand aber auch schon während seiner Domherrentätigkeit wohl mehr Gefallen an Ritterspielen, als an der Ausübung geistlicher Tätigkeiten.
Damit er sich in Ritterspielen und Lanzenfechten besser üben konnte, erfüllte ihm sein Bruder seinen Herzenswunsch und schenkte ihm im Jahre 1524 großzügig die Michelsburg , die bislang ein Ritter Blick von Lichtenberg zu Lehen hatte. Natürlich verlegte Ruprecht bald seinen Wohnsitz auf die Michelsburg, um sich in ritterlichen Tugenden zu üben.
Dass der Ex-Domherr Graf Ruprecht sein Ritterhandwerk gar trefflich beherrscht haben muss, beweist die Tatsache, dass er als geistlicher Ritter im Jahr 1529 im kaiserlichen Heer gegen die Türken kämpfte, wie man auf seinem Grabdenkmal später lesen konnte.
Was den Konvent auf dem Remigiusberg aber noch weitaus schlimmer traf, als einen neuen unliebsamen Nachbarn in unmittelbarer Klosternähe ertragen zu müssen, war die bittere Tatsache, dass Graf Ludwig seinem Bruder nicht nur die Burg, sondern auch widerrechtlich die gesamten Gefälle der Propstei Remigiusberg zugesprochen hatte, obwohl diese rechtlich nach wie vor den Reimser Mönchen gehörten.
So hatten sich die Pfalzgrafen die Herrschaft über das gegenüberliegende Kloster Schritt für Schritt unter den Nagel gerissen, und letztlich blieben alle Reimser Bemühungen, dieses zu verhindern, auf Dauer doch ohne Erfolg.
Da zwischenzeitlich auch die Reformation in unseren Landen Einzug gehalten hatte, und nachdem die Veldenzer Landesfürsten den lutherischen Glauben zur Landesreligion erklärt hatten, wurde den Klosterbrüdern auf dem Remigiusberg das Leben geradezu zur Hölle gemacht.
Nun war dem Konvent auf dem Remigiusberg das Wasser endgültig und sogar noch auf doppelte Weise abgegraben worden. Einmal waren ihnen die Einkünfte und Erträgnisse im gesamten Remigiusland weggenommen worden, und außerdem waren die Mönche inzwischen auch dazu verurteilt, ihre Messen vor leeren Kirchenbänken zu zelebrieren, da die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften zwangsläufig den, vom Landesfürst verordneten, lutherischen Glauben übernommen hatte.
So blieb den frustrierten Mönchen schließlich nichts anderes übrig, als das Feld zu räumen und den Rückzug nach Reims anzutreten. Die Propstei stand in der Folgezeit über 27 Jahre lang verwaist und verlassen; alle Bemühungen des Erzbistums Reims und der Reimser Abtei, ihre angestammten Rechte auf das Remigiusland durchzusetzen und das Kloster wieder zu neuem mönchischen Leben zu erwecken, stießen bei den Pfalzgrafen auf taube Ohren, wie diverse Urkunden aus dem Kopialbuch belegen.
Schließlich blieb dem Reimser Erzbischof nichts anderes übrig, als zu resignieren und das Remigiusland mitsamt dem Kloster endgültig abzuschreiben. Um wenigstens noch zu retten, was noch zu retten war, verkaufte er schließlich die Propstei mit allen Rechten für 8500 rheinische Gulden an den Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken, der sie als Vormund für sein minderjähriges Mündel Georg Hans von Pfalz-Veldenz erwarb. Damit war die Propstei definitiv aufgelöst und ihr Schicksal endgültig besiegelt.
Eine kurze Wiederbelebung erfuhr unsere Propstei (zumindest auf dem Papier) im 30-jährigen Krieg, wo die (katholischen) Spanier den Benediktinern die Propstei wieder zusprachen. Es ist jedoch recht unwahrscheinlich, dass die Mönche während dieser Zeit der Kriegswirren das Risiko auf sich genommen haben sollten, wieder ins Remigiusland zu kommen, um ihre ehemalige Propstei vorübergehend wieder mit geistlichem Leben zu erfüllen.
Jedoch Ende des 17. Jahrhunderts kamen die Benediktiner tatsächlich noch einmal zurück auf den Remigiusberg. Nach dem Frieden von Nimwegen ( der nach dem Ende des deutsch - französischen Erbfolgekrieges von 1674-78 neue politische Verhältnisse sanktionierte ) witterten die französischen Benediktiner erneut Morgenluft und beantragten bei der Reunionskammer die Rückgabe der Remigiusberger Propstei. Ihre Bemühungen waren insofern erfolgreich, dass die Reunionskammer dem Benediktinerabt auf dem Jakobsberg in Mainz das Kloster Remigiusberg zusprach. Dieser schickte zumindest einen Mönch namens Jacob Diel ins Remigiusland, der sich in der Propstei niederließ und die alte Propstei für über ein Jahrzehnt mit neuem klösterlichen Leben erfüllte.
Nachdem durch den Frieden von Ryswik 1697 die politischen Verhältnisse in unserer Region neu strukturiert worden waren, mussten die Benediktiner aber nun endgültig und für immer das Feld auf dem Remigiusberg räumen.
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